LordiBochum, Zeche 23.04.03>> Mehr Material zur Band
Mit ihrem Album „Get Heavy“ schafften die Monster von Lordi es bis an die Spitze der Finnischen Charts, doch in Deutschland ist die Reaktion auf die, eigentlich doch recht sympathischen, Wilden immer noch verhalten. Dies mag trotz einer sehr aufwendig gestalteten Promotionaktion vielleicht daran liegen, dass man ich live noch nicht Präsentieren konnte. Diesem Umstand sollte auf der diesjährig stattfindenden Wacken Roadshow Abhilfe geschaffen werden. So gab mir das dann auch die Möglichkeit den gar nicht so furchtbaren Bandkopf und Mastermind, Mister Lordi himself, zu treffen. Zu meinem Pech hatte der Gute allerdings arge Probleme mit seiner Stimme, die ihn seid dem Morgen verlassen hatte und so viel das Interview um einiges kürzer aus als geplant. Gestärkt durch eine heiße Tasse grünen Bergtee mit Honig (um ehrlich zu sein, der arme Kerl konnte einem nur leid tun, das Zeug sah furchtbar aus) stellte sich Tomi dann unseren Fragen.


Um mal mit einer Standardfrage anzufangen, wie hat euch die Tour bisher gefallen?

Soweit war es eigentlich ganz gut, einmal abgesehen von meiner Stimme, die im Moment in einem ziemlich schlechten Zustand ist, aber hoffentlich hilft dieser ganze Hokus-Pokus (mit einem Finger und einem ziemlich zerknirschten Gesichtsausdruck auf die Teetasse zeigend). Na ja, einmal abgesehen davon wirklich sehr gut.

Habt ihr vorher schon einmal in Deutschland gespielt oder ist das sozusagen die Premiere?

Wir haben vorher schon einmal zwei Shows in Deutschland gespielt. Das waren im Januar, im Vorprogramm von Nightwish. Das war soweit auch schon alles.

Ihr seid in Finnland mit dem Album wie eine Bombe eingeschlagen und ward auf Platz 1 der Charts, wie verkauft ihr euch in Deutschland? Läuft es hier auch gut?

Ich habe keine Ahnung, da musst du unseren Manager fragen... allerdings sehe ich jeden Abend neue und komplett verschiedene Leute im Publikum stehen und mitsingen. Das heißt dann wohl das es zu mindestens ein paar gekauft haben. Ich denke allerdings das uns sehr viele Leute kennen. Obwohl sie uns nie gehört haben, wissen sie doch wie wir aussehen und unser Image. Das ist schon einmal ein großes Plus.

Ihr spielt auf der Wacken Roadshow mit Bands wie Amon Amarth, Onkel Tom und Mob Rules. Wie klappt das? Ihr seid ja mehr eine traditionelle Rockband... glaubst du die Leute vermissen diese Art von Musik?

Ich weiß es nicht, aber worauf es letztendlich hinaus läuft ist einfach die Tatsache, dass wir die Musik machen, die wir mögen und mit der wir uns Identifizieren können. Jede Band sollte diese Aussage auf sich anwenden können. Und ich denke das können alle auf dieser Tour. Unsere Wurzeln liegen bei Bands wie Kiss, Alice Cooper, Twisted Sisters, W.A.S.P und Accept und es wäre einfach dumm dies zu leugnen. Aber ich finde es großartig, dass so viele Bands der verschiedensten Musikrichtungen hier zusammen kommen. Jede Band die hier spielt repräsentiert eine ganz andere Art von Heavy Metal und das finde ich echt klasse. Da ist etwas für jeden dabei. So etwas wie das hier würde nie in Finnland klappen.

Es würde nicht?

Neeee. Nehmen wie einmal an wir waren mir Amon Amarth zusammen auf Tour. Dann würde die eine Hälfte der Leute nur kommen um uns zu sehen, die andere Hälfte würde kommen um Amon spielen zu sehen. Aber beide Massen wären nie gleichzeitig im Saal. Zum Bandwechsel würde auch die Menge ausgetauscht werden. Das gefällt mir hier. Als wir mit Nightwish gespielt habe, sind alle Leute im Saal geblieben und haben sich unsere Show angesehen. Ich denke das uns kaum einer gekannt hat. Sie haben uns erst angesehen und dann entschieden ob sie uns mögen oder nicht. Die Leute sind viel offener.

Siehst du dann auch eine große Chance in Festivals bekannter zu werden oder ist die Arbeit zu viel für die Nutzten?

Doch, ich denke schon, dass man die Chance gut nutzten kann. Allerdings denke ich auch, dass man sich nicht so große Hoffnungen machen sollte. Je mehr man erwartet desto leichter wird man enttäuscht. Wir gehen immer ganz entspannt an die Möglichkeiten die sich uns bitten heran, desto mehr können wir uns dann auch nachher freuen. Bisher war alles was auf uns zugekommen ist ein großes Plus. Solange man auf dem Boden der Tatsachen bleibt und nicht abhebt wird sich das Ganze auch rentieren.

Wie bist du denn dazu gekommen Lordi zu dem zu machen was es jetzt ist?

Ich habe angefangen Demos unter dem Namen Lordi zu machen, dass ist schon gute zehn Jahre her. Zu dieser Zeit hab ich schon mit dem Verkleiden und Maskieren begonnen, da ich früher Hauptberuflich Maskenbildern war. Somit habe ich einfach die Sachen vereint die ich Liebe und das sind Heavy Rock und Monster. Die Demos welche in der Zeit von 1992-1995 aufgezeichnet wurden habe ich alle alleine aufgenommen. Gelegentlich wurde ich von Studiomusikern unterstützt, das war es aber auch schon... eigentlich ein Ein-Mann-Projekt. Im Jahre 1995/1996 bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass das Ganze eine Band werden sollte. Das war es dann auch schon. Ich habe mir gedacht, ich mache einfach die Musik, die ich gerne mag und ich verkleide mich, wie etwas das ich gerne Live sehen würde.
Das allerdings war auch der Grund dafür, dass es so lange bedauert hat bis wir einen Plattenvertrag bekommen habe. Einige Plattenfirmen mochten unsere Musik, meinten aber, dass das Image absolut grausig ist. Wir sollten damit aufhören. Anderen Labels hat das Image wieder rum gefallen, doch sollten wir anderen Metal spielen, nicht diesen 80’er Jahre Kram. Das wollte wir aber beides nicht. Wären wir einige Kompromisse eingegangen, dann hätten wir das Ganze schon eher haben können, doch dass wären dann nicht wir gewesen. Die Plattenfirmen haben einfach nicht gesehen, dass die Kombination von Musik und Monstern sehr gut klappen kann. Aber denen habe ich es gezeigt und kann sie jetzt auslachen (mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht).


Was steht den Songtechnisch als nächstes an? Immerhin liegt „Get Heavy“ schon ein paar Monate zurück?

Wir werden in die gleich Richtung wie bisher gehen. Es gibt zwar noch keine Demoaufnahmen, aber wir haben schon einige Songs zusammen. Ein paar neue Sachen, aber auch vieles was schon älter ist. Immerhin sind wir schon seid zehn Jahren am schreiben, da sammelt sich einiges an. Wir haben Hunderte von Songs. Der Unterschied wird allerdings darin liegen, das auf dem neuen Album auch viel mehr Material der Anderen zu hören sein wird.

Warum sind den die meisten Songs vom ersten Album von dir?

Es ist nicht so, dass die anderen keine Songs für das Debütalbum geschrieben haben, aber prozentual gesehen war das nicht viel. Ich hatte ein paar hundert Songs während die anderen 20-30 hatten... zusammen. Das ist dann einfache Mathematik. Das wird sich aber ändern. Die Sachen, welche die Jungs gemacht haben klingen alle ziemlich ähnlich. Eine eingängige Melodie und ein starker Refrain. Also ganz klar Hard Rock/Heavy Metal.

Womit hängt das zusammen? Liegt das daran, das ihr alle Mitglieder der Kiss-Armee seid?

Sicher! Allerdings ist es schon lustig. Obwohl wir alle Mitglieder der Kiss-Armee sind und dies unser aller Lieblingsband ist, unterscheidet sich unser Musikgeschmack teilweiße sehr extrem. Unsere Keyboarderin zum Beispiel, sie mag dieses Klassikzeug, (Tomi verzieht angewidert die Nase und stößt prustende Laute aus) ... Bähhh...wir haben da gar nicht mit am Hut, alles so Sachen wie Halloween, Stratovarius und so weiter. Wir haben alle einen ziemlich umfassenden Musikgeschmack, obwohl er sehr selektiv ist.

Da ihr ja alle Kissfans sein, habt ihr daran gedacht eure Identität geheim zu halten? Falls ja, warum hat es nicht geklappt?

Wir haben drüber nachgedacht, aber es ist einfach zu Umständlich. Wenn ich mir Vorstellen würde das Interview hier mit komplettem Make Up zu machen und in Kostümierung... das Zeug ist einfach viel zu schwer dafür und es dauert viel zu lange, das Ganze anzulegen. Allerdings lassen wir uns nicht ohne Kostümierung photographieren. Das wäre dumm. Was interessant ist, ist der Kerl der auf der Bühne steht, nicht ich. Die Charaktere der Band sterben wenn sie die Bühne verlassen.

Glaubst du das ist besser so? Den Charakter des Monsters auf der Bühne zu lassen?

Klar, nimm als Beispiel einmal Slipnot. Die versuchen der Welt weiß zu machen, dass sie selbst im normalen Leben Maniacs sind, mit ihren Masken und so weiter. Klappt das? Nein! Für meinen Geschmack war es einfach nur albern zu versuchen alle davon zu überzeugen, das sie ja ach so gestört und kaputt sind... so nach dem Motto: „wir sind so verrückt, wir essen kleine Kinder." Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass ein kleines Kind ja auch nicht wollen würde, das der Weihnachtsmann rein kommt und sagt: „ach so, mal ganz nebenbei, ich bin dein Vater!“ Ich denke wir machen es auf eine ehrliche Art und Weiße. Niemand glaubt das wir wirklich Monster sind, ist ja klar. Auf der Bühne spielen wir die Monster und verkörpern eine Rolle die den Leuten Spaß machen soll. Danach sind wir wieder normale Menschen... die braucht man nicht kennen, das dient einfach nicht unserer Sache.

Wenn wir schon einmal bei der Kostümierung sind... ich habe gelesen, dass es dich bis zu sieben Stunden beschäftigt, das komplette Outfit anzulegen. Wie macht ihr das auf Tour?

Es stimmt schon, dass es manchmal bis zu sieben Stunden dauert, das ist aber nur bei Videoaufnahmen und Photosessions, etc. der Fall. Da muss alles Perfekt sein. Ich bin da sehr eigen. Wenn du dein Gesicht bewegst, dein Kiefer, dann muss alles Perfekt sein um eine gute Illusion zu schaffen. Auf Tour ist das anders. Hier dauert es auch zwei Stunden, bis ich mit meinem Gesicht fertig bin. Bei den anderen ist das einfacher. Die Tragen eine Art Maske, die sind anders als in den Videos. Die sind einfacher anzulegen. Das ist Tourausrüstung. Alles andere wäre unmöglich, es würde einfach zu lange dauern.

Wo würdest du gerne einmal spielen, was wäre eine Traumbühne für dich?

Madison Square Garden! …Obwohl die Finish Ice Hall wäre auch ganz gut, dass ist der Platz wo ich alle großen Bands gesehen habe.

Was wäre eure Vorband?

Mhhh, da habe ich noch nie drüber nachgedacht... ich glaube Kiss wären ganz cool. Aber wahrscheinlich nicht in diesem Jahr... oder das Jahr danach...

... U.D.O! Ich liebe U.D.O.


Ist euch irgendwas auf dieser Tour passiert, was es wert wäre zu erzählen?

Ja, da gab es was... Ich bin immer sehr genau und streng mit der Art wie wir aussehen, aber in Salzberg ist mir ein rote Kontaktlinse zerbrochen. Als wir dann am nächsten Tag Zeit hatten sind wir dann nach München rein und haben nach Kontaktlinsen gesucht. Aber nirgends hatten sie rote...

...die müssen hier immer bestellt werden, wenn ich mich nicht täusche.

... das stimmt. Die Linsen die wir benutzten, die auch in Hollywood und anderen Produktionen genommen werden, kommen aus Finnland. Es gibt nur eine Firma die diese Linsen herstellt. Wenn du in Helsinki zu einem Optiker gehst und nach roten Kontaktlinsen fragst, dann fragen die eigentlich nur noch, ob du eine Tüte brauchst. Hier ist das ganz anders. „Nein, die müssen wir aus Finnland bestellen und wir haben auch keine auf Lager“. Wir sind den ganzen Tag durch München gelaufen, von einem Optiker zum nächsten und haben nichts bekommen. Letzten Endes haben wir dann welche bekommen. Allerdings habe ich jetzt ein rotes und ein gelbes Auge. Sieht ganz schön verrückt aus.

Dann möchte ich mich bei dir bedanken und hoffe mal und freue mich drauf euch live zu sehen.. wird dann ja eine farbenfrohe Show.

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